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BKV lädt ein: E-Health in der Krankenkasse – Modelle, Projekte, Ideen am 15.10.15 in Berlin

Am 15. Oktober 2015 stellte die Interessengemeinschaft Betriebliche Krankenversicherung e.V. (BKV) im Rahmen einer Veranstaltung aus der Reihe „BKV lädt ein“ aktuelle E-Health-Projekte Ihrer Mitgliedskassen vor. Eine Podiumsdiskussion mit Vertretern von Krankenkassen, IT-Sektor und Politik bildete den Abschluss der Veranstaltung.

Jürgen Brennenstuhl, Vorstand der Daimler BKK und Vorstandsvorsitzender des BKV, begrüßte die Anwesenden im vollbesetzten Saal „Robert Koch“ des Langenbeck-Virchow-Hauses in Berlin Mitte. Er unterstrich die großen Chancen, die in der Digitalisierung liegen. Gerade die unternehmensnahen Betriebskrankenkassen seien hier Innovationstreiber und Vorreiter. Sie hätten die Verantwortung, diesen Prozess mitzugestalten und nicht fremden Unternehmen wie Google oder Facebook zu überlassen, die im Bereich Gesundheit wenig Erfahrung mitbrächten. Brennenstuhl warb für Rahmenbedingungen und Spielräume, damit Krankenkassen Pilotanwendungen schnell und pragmatisch testen können.

„Der Behandlungspfad fängt längst im Internet an“, erklärte der Vorstandssprecher des Bundesverbandes Internetmedizin und Gründer sowie Partner der Kanzlei Vorberg & Partner Sebastian Vorberg. In seiner Keynote verdeutlichte er, dass die radikale Entwicklung, mit der das Internet ganze Branchen umgekrempelt hat, auch vor dem Gesundheitssystem nicht Halt machen werde. Die Chance der Krankenversicherungen läge darin, künftig die Plattform im Netz (und auch weiterhin in der physischen Welt) zu sein, auf der mündige Patienten mit den Kassen selbst, mit den Leistungserbringern, aber auch miteinander interagieren können.

Den Auftakt bei der Vorstellung dreier Projekte aus den BKV-Mitgliedskassen machte Steffen Rüdiger für die BKK PwC. Diese bietet ihren Versicherten bereits seit 2003 die ONLINE-GESUNDHEITs@kte an, mit der diese ihr persönliches Gesundheitsmanagement betreiben können. Anders als etwa bei einer Patientenakte haben weder die Leistungserbringer noch die BKK selbst Einblick in die ONLINE-GESUNDHEITs@kte. Versicherte können die ONLINE-GESUNDHEITs@kte beispielsweise zur Dokumentation von Arzt- und Zahnarztbesuchen, Krankenhausaufenthalten, eingenommenen Medikamenten, Impfungen, Allergien nutzen. Erinnerungsfunktionen und ein Risikocheck der Medikamente runden das Angebot ab. Die ONLINE-GESUNDHEITs@kte wird von rund dreißig Prozent der Mitglieder genutzt, 68 Prozent davon nutzen sie regelmäßig.

Das Thema Online Coaching in der Betrieblichen Gesundheitsförderung ist eines von vielen Beispielen für eine gelungene Kooperation zwischen unternehmensnahen Betriebs-krankenkassen im BKV. Lukas Dembek, Gesundheit und Versorgung Daimler BKK und Eckhard Köhler, Gesundheitsförderung Bosch BKK, haben das Projekt „Online-Coaching in der betrieblichen Gesundheitsförderung“ in einer gemeinsamen Präsentation vorgestellt. Das Besondere an diesem Projekt, mit den Schwerpunktthemen „Gesunder Rücken“, „Stressfrei“ und „Leichter Abnehmen“, ist das Zusammenspiel von betriebsnahen Versorgungsformen mit digitalen Gesundheitsprogrammen.

Die Teilnehmer des Online Coachings werden bei der Bosch BKK durch Werksärzte und bei der Daimler BKK durch speziell geschulte Gesundheitslotsen gezielt angesprochen und in das onlinegestützte Gesundheitsprogramm eingesteuert. Durch die enge Verzahnung von digitalem Zugang und persönlichem Kontakt sollen die gelernten Inhalte dabei wirkungsvoll in den Alltag integriert werden. Das Pilotprojekt soll Erkenntnisse darüber geben, ob E-Health Angebote, im betrieblichen Setting erfolgreich eingesetzt werden können.

Torsten Greulich, Vorstand der BKK EWE, stellte abschließend die beiden Online-Ernährungsprogramme myWEIGHTcoach und myHEALTHcoach vor. Die Gemeinschaftsentwicklung unter dem Dach des BKV kommt seit Februar 2015 in zehn Kassen erfolgreich zur Anwendung. Während der WEIGHTcoach sich an alle richtet, die eine Gewichtsreduktion dank nachhaltiger Ernährungsumstellung erreichen wollen, zeigt der HEALTHcoach, wie man sich trotz wenig Zeit im Alltag gesund ernähren und in Kombination mit Bewegung wohler, fitter und leistungsfähiger fühlen kann. Beide Programme eignen sich besonders, um den Personenkreis für ein Ernährungsprogramm zu motivieren, den man sonst nicht oder nur schwer erreichen kann, wie Greulich unterstrich.

An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen neben Sebastian Vorberg auch Ramadan Dirlik, Vorstand der Aesculap BKK und Nino Mangiapane, Referatsleiter Grundsatzfragen Telematik/ehealth beim Bundesministerium für Gesundheit teil. Schnell wurden die unterschiedlichen Auffassungen darüber deutlich, wie die Rahmenbedingungen für Krankenversicherungen im Bereich E-Health aussehen müssten, um sich hier erfolgreich aufstellen zu können. Herr Dirlik berichtete aus dem Kassenalltag, in dem gute Ideen oft von einer unsicheren Aufsicht gebremst werden, die aufgrund fehlender Klarstellung der Rahmenbedingungen extrem vorsichtig auf entsprechende Projektvorschläge reagieren. Nino Mangiapane erwiderte, dass schon die bestehenden Rahmenbedingungen vielfach nicht ausgeschöpft worden seien. Die Akteure kämen nicht zueinander, noch fehlten Formate, in denen die neuen Spieler mit den etablierten Strukturen zusammenkommen könnten. Mehr Mut und Elan forderte hingegen Sebastian Vorberg von allen Akteuren. Krankenversicherungen müssten sich ein Stück weit eine Start Up-Mentalität aneignen. Er wünschte sich „leuchtende Augen“ anstelle von Frustration, wenn es um das Thema E-Health geht.

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